An die Fans solcher Autos wende ich mich ausdrücklich nicht.

Wer selbst ein SUV fährt, ignoriere bitte diese Seiten und schaue sich etwas anderes an. Ich möchte niemandem unnötig die Laune verderben.

Wer hingegen die Anschaffung erwägt, doch leise Zweifel hat und für Einwände empfänglich ist; aber auch wer SUV für eine ausgemachte Plage hält und seine Meinung gerne noch fundierter begründen würde; für solche Leser mögen diese Texte von Interesse sein.

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Zeit für Gegenwehr

Anfangs war für diesen Aufkleber nur eine Textzeile vorgesehen gewesen (die obere):

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Doch so erwies er sich für die meisten Betrachter als unverständlich. Kaum jemand konnte sich erklären, warum das Auto auf dem Kopf liegt. Die aus diesem Grund hinzugefügte Behauptung, SUV kippten häufiger um, soll hier belegt werden.

Eigentlich genügt dazu schon ein Blick in die Betriebsanleitung mancher Stadtgeländewagen:

„Die charakteristischen Auslegungsmerkmale dieser Fahrzeuge ergeben einen höheren Schwerpunkt als bei normalen PKW. Dieses Auslegungsmerkmal ist der Grund dafür, dass dieser Fahrzeugtyp anfälliger für Überschlagen ist.“

Die Hersteller selbst warnen also vor fahrdynamischen Schwächen der SUV.

Dabei können sie sich auf wissenschaftliche Untersuchungen berufen. So hat die amerikanische NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) für eine Vielzahl von Automodellen anhand von Fahrzeugdaten und Fahrversuchen das Überschlagrisiko ermittelt (für den Fall, dass das Auto ohne Kontakt mit anderen Fahrzeugen ins Schleudern gerät). Ergebnis:

SUV überschlagen sich etwa doppelt so häufig wie konventionelle Pkw

Dazu nur zwei Beispielwerte (bei anderen Automarken ergeben sich ähnliche Werte):

BMW 5er   9.3 %
BMW X5 (SUV) 18.8 %

Grund: Der hohe Schwerpunkt verschlechtert die Straßenlage. Das Auto wankt und nickt stärker, und die maximal mögliche Kurvengeschwindigkeit ist geringer. Bekommt ein SUV im Verlauf eines Unfalls einen seitlichen Stoß (z.B. von einem hohen Bordstein oder einer Leitplanke), kippt es viel leichter um als andere Autos.

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Ja, aber die Assistenzsysteme…?

Die große Überschlagneigung kann mit Assistenzsystemen nicht nennenswert verringert werden. Elektronische Fahrdynamikregelungen wie z.B. ESP können zwar die Folgen gefährlicher Lenkmanöver ausgleichen; diese sind aber nur für etwa fünf Prozent der Fahrzeugüberschläge ursächlich.

Aktive Federungssysteme mit Wankausgleich können das lästige Wanken mildern und dem Fahrer sogar die Illusion von Kurvenfreudigkeit vermitteln; an den grundsätzlich niedrigeren Kurvengrenzgeschwindigkeiten von SUV ändert das aber gar nichts. Auch das hat einen einfachen Grund: Die maximale Querbeschleunigung, die zur Vermeidung eines Überschlags nicht überschritten werden darf, hängt nur vom Verhältnis zwischen Spurbreite und Schwerpunkthöhe ab. Das Federungssystem hat darauf keinen Einfluss.

Wegen dieser konzeptbedingten und unabänderlichen Nachteile von SUV muss die elektronische Fahrdynamikregelung in Kurven bereits bei relativ geringen Geschwindigkeiten bremsend eingreifen. Was dann passieren kann, hat der ADAC in einem Bericht über einen Ausweichtest mit dem Mercedes GLE anschaulich beschrieben: Schon beim Anlenken untersteuerte dieses Auto stark, und beim Zurücklenken in die ursprüngliche Fahrspur begann es gar komplett zu rutschen. Durch heftigste ESP-Eingriffe unlenkbar geworden, fuhr es zunächst geradeaus weiter. Dem ADAC-Testfahrer war es kaum möglich, das Fahrzeug wieder in die ursprüngliche Fahrspur zurückzulenken.  

Steht dem unlenkbar gewordenen Fahrzeug ein Hindernis im Weg, so kann es zu einer Kollision kommen, die mit einem konventionellen Auto hätte vermieden werden können. Die geringeren Kurvengeschwindigkeiten können also auch für ruhige Fahrer zu einem Sicherheitsproblem werden, weil sie mit einem SUV bei einem eventuell notwendigen Ausweichmanöver früher in den Grenzbereich geraten.

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Ein Ausweichmanöver ist missglückt

Dieses Beispiel macht deutlich, dass aktive Federungen und elektronische Assistenzsysteme die Gesetze der Physik nicht überwinden können. SUV haben nun einmal mit dem Handicap des größeren Abstands zwischen Massenschwerpunkt und Rollachse zu kämpfen. Der große fahrwerkstechnische Aufwand bei teuren Modellen wird im Grunde dafür vergeudet, die konzeptbedingten Nachteile für Fahrstabilität und Komfort so weit wie möglich vor dem Fahrer zu verbergen. Pkw mit normaler Bodenfreiheit bieten bei gleichem Komfort stets mehr aktive Fahrsicherheit.

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SUV: Nachteile, Nachteile und noch mehr Nachteile

Die Liste an Eigenschaften, die SUV für den Straßenverkehr suboptimal machen, ist lang:

  • Für andere Verkehrsteilnehmer (Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger sowie Insassen kleinerer Autos) sind sie bei Unfällen besonders gefährlich.
  • SUV gelten zwar als besonders sicher.
    Tatsächlich ist die aktive Sicherheit aber deutlich schlechter als bei Autos mit niedrigerem Schwerpunkt (siehe das größere Überschlagrisiko).
    Auch beim Aufprall auf feste Hindernisse haben sie keinerlei Vorteile.
    Mehr Sicherheit bieten sie Fahrern und Insassen nur beim Zusammenstoß mit anderen Fahrzeugen. Fährt der Unfallgegner ein kleineres Auto, so sind die Knautschzonen wegen unterschiedlicher Fahrzeughöhen inkompatibel. Dann basiert die größere Sicherheit des SUV darauf, die Fahrgastzelle des anderen Autos (einschließlich der Passagiere darin) als zusätzliche Knautschzone zu gebrauchen.
  • Größere Masse und höherer Luftwiderstand erhöhen unweigerlich den Kraftstoffverbrauch. SUV sind also besonders umweltschädlich.
  • Aus denselben Gründen sind SUV bei gleicher Motorleistung langsamer.
  • Außerdem sind sie bei gleichem Entwicklungsstand der Fahrwerkstechnik generell unkomfortabler, weil die prinzipiell labilere Straßenlage mit einer strafferen Dämpfung verbessert werden muss.

(Eine umfassende und überaus lesenswerte Erläuterung der Nachteile von SUV findet sich dort.)

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Warum es mir peinlich wäre, in einem SUV gesehen zu werden

 

Richtet man sich bei der Bewertung von Autos nicht nach subjektiven Eindrücken, sondern nach objektiven technischen und ökonomischen Kriterien, so schneiden SUV im Vergleich zu Autos mit geringerer Bodenfreiheit in jeder Hinsicht schlechter ab.

 

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Braucht Platz für zwei

Als Heimwerker ist es vielen SUV-Fahrern selbstverständlich, für jede Aufgabe genau das passende Werkzeug einzusetzen. Als Fahrer jedoch finden sie nichts dabei, für den Straßenverkehr unzweckmäßige Fahrzeuge zu benutzen.

Fragt man nach den Gründen für die Wahl eines SUV, so ist die Antwort meist kurz: „Da geht alles rein, man sitzt schön hoch, und es sieht geil aus.“ Auch mehrfache Nachfragen ergeben in der Regel keine Hinweise darauf, dass die Kaufentscheidung noch von etwas komplexeren Denkvorgängen begleitet worden war.

Rationale Kaufgründe sind selten (z.B. häufiger Anhängerbetrieb mit Zuglasten von deutlich mehr als ca. zwei Tonnen). Tatsächlich dürften viele Käufer auf ein höheres Sozialprestige setzen:

„Zudem schauen sie auf die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer herab, der imperiale Blick von oben ist vielen Menschen angenehm, SUVs sind Statuserhöher.“

Genau diese Funktion soll der obige Aufkleber den SUV nehmen. Je weiter das Wissen verbreitet wird, dass Stadtgeländewagen im Grunde bloß schlechtere Autos sind, um so geringer das Ansehen der Käufer – so das Kalkül.

Anti-SUV-Seite, Anti-SUV-Seiten; SUV-Hass-Seite, IchbremseauchfürSUV, Ich bremse auch für SUV

Hinweis: 
Für den oben gezeigten Entwurf eines Aufklebers wurde Designschutz erteilt.

 

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